Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon

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Brigitte Karpstein
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Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon

Beitrag von Brigitte Karpstein »

Auslegung von Lk 16,1-13

Sich Freunde machen mit unredlich erworbenem Besitz, dem Mammon?

Was ist denn da in Jesus gefahren?
Widerspricht er nicht in dieser Geschichte aus dem Alltag seiner Jüngerinnen und Jünger seinen bisherigen Forderungen und seiner Botschaft?
Jesus lobt einen hinterlistigen, betrügerischen Verwalter, der, weil ihm das Wasser am Hals steht, mit Tricks arbeitet und seinen Herrn bestiehlt, um sich bei den Leuten beliebt zu machen, damit sie ihm, wenn er seine Stelle verliert, vielleicht sogar noch Obdach gewähren? Ist es in Ordnung, wenn man sich zu einem Komplizen oder Verbündeten eines ausbeuterischen Systems macht und sich mit zu Unrecht erworbenem Besitz Vorteile verschafft, so, wie es im römischen Reich üblich war? Ein bisschen betrügen, ein bisschen mogeln sind die Methoden der Kinder der Welt, während die biederen, schlafmützigen, viel zu ehrlichen Kinder des Lichtes wohl nicht so erfolgreich sind. Diese Betrüger sollen sie sich zum Vorbild nehmen?
Der Blick auf den griechischen Text und die Situation im von den Römern beherrschten Israel gibt Antwort.
Im Urtext lobt Jesus einen „Verwalter der Ungerechtigkeit“, denn sein Herr ist ein reicher Großgrundbesitzer, der seine Ländereien verpachtet. Die Pächter dürfen einen Teil der Ernte behalten, müssen aber auch ihre Pacht bezahlen. Fällt die Ernte schlecht aus und sie können nicht zahlen, droht eine auch noch durch die Zinsen wachsende Verschuldung, mitunter bis zur Verarmung der ganzen Familie oder dass alle für den Reichen arbeiten müssen.
Verwalter aber haben die verbriefte Befugnis zu entscheiden, ob sie die Pächter zur Ader lassen oder ihnen einen Teil der Schulden erlassen.
Offenbar erfüllt der Verwalter seine Aufgabe, den Reichtum zu vermehren, nicht, sondern verschleudert ihn, sodass die Leute ihn bei seinem Herrn anschwärzen. Nun muss er sich etwas einfallen lassen, um einer Kündigung zu entgehen: Raffiniert verringert er kurzerhand die sehr hohen Schulden und sorgt so für Erleichterung und Dankbarkeit bei den Schuldnern.
Zinsen zu verlangen, war in Israel ausdrücklich verboten, dies wurde aber oft durch Formulierungstricks ausgehebelt. Der israelitische Verwalter hat jedoch einfach die verbotenen Zinsen gestrichen und so den biblischen Schuldenerlass umgesetzt (J. D. M. Derret) und eine Umverteilung des Besitzes vorgenommen. Das rückt den Verwalter nun in ein ganz anderes Licht: Er ist kein Steigbügelhalter des Reichen. Er nimmt das Zinsverbot ernst und sorgt klug, frei, selbstbewusst und aus Solidarität und einem Zusammengehörigkeitsgefühl heraus für Recht und Gerechtigkeit gegenüber den nicht römischen, sondern israelitischen Schuldnern und macht sie sich zu Freunden. DAS alles lobt Jesus.
Jesus motiviert seine Jüngerinnen und Jünger, sich ebenso entschieden für Arme, Verschuldete, in Not Geratene einzusetzen und ihnen aus ihrer Situation herauszuhelfen. Und wenn der Reichtum, der Mammon, einmal zu Ende geht, haben sie sich eine „ewige Wohnung“ erworben. Dabei sind Zuverlässigkeit und Rechtschaffenheit für ihn entscheidend; wenn jemand zunächst nur im Kleinen wirken kann, dies aber zuverlässig ausführt, vertraut man ihm und überträgt ihm größere Aufgaben. Dies gilt, so zeigt die Lebenserfahrung, gleichermaßen für schlechtes und für rechtes Umgehen mit den „Dingen“.
Am Schluss kommt dann die entscheidende Botschaft: „Mammon“ steht für unredlich und auf unmoralische Weise erworbenen, angehäuften Reichtum. Unter diesem ungerechten Mammon des römischen Reiches haben Arme zu leiden, manche sind Sklaven und diesem System machtlos ausgeliefert. Dieser Mammon hat die Macht, Menschen von Gott wegzuführen.
Wenn man aber Gott dient, ändern sich die Besitzverhältnisse und die Einstellung zum Besitz. Dem Mammon zu dienen, ist verboten, vorhandener Reichtum muss geteilt werden und allen zugute kommen. Er hat keinen Wert, der Reiche keine Chance, eine ewige Wohnung zu erhalten (Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr ...), Sklaven werden zu Freunden, Ungerechtigkeiten, Betrügereien sollen erst gar nicht vorkommen. Gelebt wurde das in den jesuanischen Urgemeinden.

Wie steht es denn heute um den Mammon?
Der Reichtum, z. B. der Konzerne, der Großgrundbesitzer in aller Welt, vieler Menschen in den reichen Ländern ... basiert in den meisten Fällen auf Ausbeutung, auf Kosten Ärmerer, durch Kinderarbeit und Sklaverei; ca. 25 Millionen Menschen befinden sich in Zwangsarbeit für den europäischen Binnenmarkt; die Schuldenfalle und unfaire Preise treiben Produzenten in Hunger, Krankheit, Unfreiheit, Existenznot und Tod, und er führt zur Klimakatastrophe mit Bedrohung und Zerstörung des Lebens auf der Erde.

Der nichtmaterielle Mammon zeigt sich z. B. in Kirche und Welt in Machtmissbrauch, narzisstischer Eigenliebe, Unbarmherzigkeit – kurz, in allem, was unrechtmäßig, ohne Rücksicht auf Mitmenschen erworben und als Goldenes Kalb angebetet wird.

Wie können wir mit diesem Mammon klug umgehen?
Der Verwalter sorgte nach seinen Möglichkeiten für mehr Gerechtigkeit und Verminderung der Armut und der Unfreiheit. Dies nachzuahmen und dies als Gottesdienst ebenso zu tun, ist auch unser Auftrag. Jede und jeder von uns findet mit Sicherheit im Umfeld oder auf der Welt genügend Gelegenheiten dazu.

PS. Nichts ist in Jesus gefahren!

Brigitte Karpstein

Die Auslegung von Dominic Groß vom Ökumenischen Netzwerk,Koblenz, gab mit wertvolle Impulse.
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